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Queere Symbole jenseits des Regenbogens: Rosa Winkel, Lambda, Labrys und andere Zeichen mit Geschichte

Woher Rosa Winkel, Schwarzer Winkel, Lambda, Labrys, Lavendel, grüne Nelke, rote Schleife und Geschlechtersymbole stammen, was sie früher bedeuteten und wie sie heute verwendet werden.

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Ein rosa Dreieck, ein Lambda und eine Doppelaxt aus Papier auf orangem Grund
Imagem: universe.gay

Die Regenbogenflagge ist das bekannteste LGBTQ+-Symbol der Welt, aber längst nicht das einzige. Bevor der Regenbogen 1978 auftauchte, und seitdem neben ihm, haben Menschen Dreiecke, Buchstaben, Blumen, Farben, Schleifen und kombinierte Geschlechtersymbole benutzt, um sich zu erkennen, an Tote zu erinnern und politische Aussagen zu machen.

Viele dieser Symbole haben eine bewegte Geschichte. Manche begannen als Zeichen der Verfolgung und wurden später mit Stolz zurückerobert. Andere waren diskrete Codes, sicherer, als etwas laut auszusprechen. Wer weiß, woher sie kommen, versteht besser, was jemand meint, der einen Anstecker trägt, ein Wandbild malt oder sich ein Tattoo aussucht. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Symbole, die Fakten dahinter und die Debatten um einige von ihnen.

Ein schneller Überblick

Symbol Herkunft Hauptbedeutung heute
Rosa Winkel Kennzeichen für Männer, die als Homosexuelle in NS-Lagern inhaftiert waren Erinnerung an Verfolgung, Widerstand, Aids-Aktivismus
Schwarzer Winkel Kennzeichen für „asoziale“ Häftlinge in NS-Lagern, darunter einige Lesben Für manche lesbisches Gedenken und Stolz
Lambda (λ) 1970 von der Gay Activists Alliance in New York gewählt Schwule und LGBTQ+-Rechte, juristische Interessenvertretung
Labrys (Doppelaxt) Antikes Symbol, in den 1970ern von lesbischen Feministinnen übernommen Lesbische Stärke und Unabhängigkeit
Lavendel und Lila Verbindung mit Homosexualität im 20. Jahrhundert; „Lavender Menace“, 1970 Lesbischer und queerer Stolz
Grüne Nelke Verbunden mit Oscar Wilde und seinem Kreis, 1890er-Jahre Schwule Geschichte und Literaturkultur
Rote Schleife 1991 von der Künstlergruppe Visual AIDS geschaffen Bewusstsein und Gedenken zu HIV und Aids
Kombinierte Geschlechtersymbole Varianten von ♂ und ♀ seit den 1970ern Schwule, lesbische, bisexuelle und trans Identität

Flaggen, darunter der Regenbogen, die Progress-Pride-Flagge und Identitätsflaggen, haben einen eigenen Ratgeber: was Pride-Flaggen bedeuten.

Der Rosa Winkel: von der Verfolgung zum Protest

Im nationalsozialistischen Deutschland konnten Männer, die nach Paragraf 175, dem Gesetz gegen Sex zwischen Männern, verurteilt worden waren, in Konzentrationslager verschleppt werden. Dort mussten Häftlinge farbige Winkel tragen, die den Grund ihrer Haft anzeigten. Männer, denen Homosexualität vorgeworfen wurde, trugen einen rosa Winkel. Historiker schätzen, dass zwischen 5.000 und 15.000 solcher Männer in Lager kamen, viele von ihnen starben. Sie wurden von Wachen und Mithäftlingen oft besonders brutal behandelt.

Nach dem Krieg blieb Paragraf 175 in der Bundesrepublik in der verschärften Fassung der NS-Zeit bis 1969 in Kraft und wurde erst 1994 ganz gestrichen. Die Überlebenden mit dem Rosa Winkel wurden jahrzehntelang nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt; viele lebten im Schweigen. Erst 2002 hob der Bundestag die Urteile aus der NS-Zeit auf, und 2017 wurden auch die nach 1945 Verurteilten rehabilitiert.

In den 1970er-Jahren begannen schwule Aktivisten in Deutschland und anderswo, den Rosa Winkel als Zeichen der Erinnerung und des Trotzes zu tragen. 1987, auf dem Höhepunkt der Aids-Krise in den USA, schuf das Silence = Death Project ein Plakat mit einem rosa Dreieck, das nach oben statt nach unten zeigte, auf schwarzem Grund mit den Worten „SILENCE = DEATH“ (Schweigen = Tod). Die Protestgruppe ACT UP übernahm das Bild, und es wurde zu einem der bekanntesten Aktivismus-Motive des Jahrhunderts.

In Amsterdam erinnert das 1987 eröffnete Homomonument mit drei großen Dreiecken aus rosa Granit an Menschen, die wegen ihrer Sexualität verfolgt wurden. In Berlin wurde 2008 das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten eingeweiht.

Heute: Der Rosa Winkel ist als Zeichen von Erinnerung und Stolz meist willkommen. Wegen seiner Geschichte wird er in der Regel ernster behandelt als ein dekorativer Regenbogen. Manche empfinden ihn als schmerzhaft; die meisten sehen darin eine Möglichkeit, die Verfolgten zu ehren.

Der Schwarze Winkel: eine kompliziertere Geschichte

Das NS-Regime verfolgte lesbische Frauen nicht so systematisch strafrechtlich wie schwule Männer, weil Paragraf 175 nur für Männer galt. Einige lesbische Frauen wurden jedoch unter anderen Kategorien inhaftiert, vor allem als „Asoziale“, ein weit gefasstes Etikett, das auch Obdachlose, Sexarbeiterinnen und andere Gruppen traf, die das Regime für unerwünscht hielt. „Asoziale“ Häftlinge trugen einen schwarzen Winkel.

Seit den 1980er-Jahren haben einige lesbische und feministische Gruppen den Schwarzen Winkel als Symbol lesbischen Gedenkens übernommen. Historikerinnen weisen darauf hin, dass das Zeichen nicht speziell Lesben markierte. Es lässt sich daher besser als Symbol der Solidarität mit allen als „asozial“ verfolgten Frauen verstehen, zu denen auch einige Lesben gehörten, denn als ausschließlich lesbisches Kennzeichen.

Lambda: ein Buchstabe für eine Bewegung

1970 wählte die Gay Activists Alliance in New York den kleinen griechischen Buchstaben Lambda (λ) als Emblem. Vom Gestalter Tom Doerr heißt es oft, er habe ihn gewählt, weil Lambda in der Physik für Energie oder Veränderung stehen kann. 1974 machte ein internationaler Kongress für schwule Rechte in Edinburgh das Lambda zum Symbol der Bewegung.

Das Lambda ist bis heute in Namen von Organisationen verbreitet, besonders bei juristischen und studentischen Gruppen. Lambda Legal in den USA trägt es etwa im Namen, und auch der deutsche Jugendverband Lambda nennt sich danach. Es ist ein unauffälliges Symbol: erkennbar für Eingeweihte, neutral für alle anderen.

Labrys: eine antike Axt, von Lesben übernommen

Die Labrys ist eine Doppelaxt aus der antiken Kunst des Mittelmeerraums, besonders aus dem minoischen Kreta. In den 1970er-Jahren übernahmen lesbische Feministinnen sie als Symbol für Stärke und Unabhängigkeit, auch wegen ihrer Verbindung zu Göttinnen und mythologischen Kriegerinnen.

1999 entstand eine lesbische Flagge mit einer Labrys über einem umgedrehten schwarzen Dreieck auf violettem Grund, die mehrere ältere Symbole verband. Heute nutzen viele Lesben neuere Flaggen, doch die Labrys erscheint weiterhin auf Schmuck, Tattoos und Logos von Gruppen, vor allem bei denen, die sich mit der Geschichte des lesbischen Feminismus verbunden fühlen.

Lavendel, Lila und Veilchen

Lila und Lavendel werden in englischsprachigen Ländern mindestens seit dem frühen 20. Jahrhundert mit Homosexualität verbunden. Die Farbe mischt Rosa und Blau, die traditionell Mädchen und Jungen zugeordnet werden, was einen Teil der Bedeutung erklären könnte. In Deutschland galt in den 1920er-Jahren auch das „Lila Lied“ als eine Hymne der Homosexuellenbewegung.

Diese Verbindung hatte auch dunkle Seiten. In den USA der 1950er-Jahre entfernte eine Regierungskampagne Tausende Menschen, die man für homosexuell hielt, aus Bundesämtern. Historiker nennen das die Lavender Scare.

1970 verwandelte eine Gruppe lesbischer Aktivistinnen in New York eine feindselige Bemerkung in Protest. Eine führende Feministin hatte Lesben als „lavendelfarbene Bedrohung“ (lavender menace) für die Frauenbewegung bezeichnet. Auf einem großen feministischen Kongress besetzten Aktivistinnen in T-Shirts mit der Aufschrift „Lavender Menace“ die Bühne und forderten, dass Lesben einbezogen werden. Die Aktion half, die Bewegung zu verändern.

Veilchen haben eine eigene lesbische Bedeutung, die oft auf die griechische Dichterin Sappho zurückgeführt wird. Sie lebte auf der Insel Lesbos und schrieb von Frauen mit Veilchenkränzen. Die Wörter lesbisch und sapphisch gehen auf sie zurück.

Die grüne Nelke

Bei der Londoner Uraufführung von Oscar Wildes Stück Lady Windermeres Fächer 1892 soll Wilde Freunde gebeten haben, grüne Nelken im Knopfloch zu tragen. Die künstlich gefärbte Blume wurde zu einem verspielten, verschlüsselten Zeichen unter einigen Männern seines Kreises. Drei Jahre später wurde Wilde wegen „grober Unzucht“ mit Männern verurteilt und inhaftiert, und die grüne Nelke wurde zu einem Symbol, das mit seiner Erinnerung und der schwulen Literaturgeschichte verbunden ist.

Heute erscheint sie vor allem in historischen und kulturellen Zusammenhängen, etwa bei Literaturfestivals, Theaterinszenierungen und Ausstellungen über Wilde.

Die rote Schleife

1991 schuf eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern der New Yorker Organisation Visual AIDS eine schlichte rote Schleife, um Solidarität mit Menschen mit HIV und Aids zu zeigen und an die Verstorbenen zu erinnern. Vorbild waren die gelben Schleifen, die Amerikaner damals für Soldaten trugen. Bei den Tony Awards desselben Jahres wurde die Schleife erstmals in großem Stil getragen und verbreitete sich weltweit. Die Schöpfer ließen sie bewusst nicht schützen, damit alle sie verwenden können.

Die rote Schleife ist kein ausschließlich queeres Symbol, denn HIV betrifft Menschen jeder Orientierung und jedes Geschlechts. Sie bleibt aber eng mit queerer Geschichte verbunden, weil schwule und bisexuelle Männer und trans Frauen in vielen Ländern zu den am stärksten betroffenen Gruppen gehörten und queere Aktivistinnen und Aktivisten im Kampf um Behandlung eine zentrale Rolle spielten.

Geschlechtersymbole und ihre Kombinationen

Die Zeichen ♂ und ♀, ursprünglich astronomische Symbole für Mars und Venus, stehen weithin für männlich und weiblich. Seit den 1970ern werden sie kombiniert:

  • Zwei verschlungene ♂ für schwule Männer.
  • Zwei verschlungene ♀ für Lesben.
  • Ein kombiniertes Symbol, bei dem der Kreis Pfeil und Kreuz sowie einen dritten, durchgestrichenen Pfeil trägt, für trans Menschen, entworfen in den 1990er-Jahren.
  • Weitere Kombinationen für bisexuelle, nicht-binäre und intergeschlechtliche Menschen, mit vielen Varianten.

Diese Zeichen sind leicht zu zeichnen und zu erkennen, deshalb finden sie sich auf Ansteckern, Protestschildern und Logos. Manche nicht-binären Menschen bevorzugen Symbole, die nicht auf dem Paar ♂ und ♀ beruhen.

Symbole achtsam lesen

Symbole verändern ihre Bedeutung über die Zeit und von Ort zu Ort. Ein paar hilfreiche Grundsätze:

  • Der Zusammenhang zählt. Ein rosa Dreieck an einem Denkmal bedeutet etwas anderes als ein rosa Dreieck auf einem Modedruck.
  • Nicht alles ist ein Code. Ein lila Hemd oder eine grüne Blume sind keine geheimen Signale. Alltagsgegenstände als Beweis für jemandes Identität zu deuten, ist ein Klischee.
  • Geschichte verdient Genauigkeit. Wenn du die Geschichte eines Symbols erzählst, prüf die Fakten. Manche beliebten Erklärungen sind vereinfacht oder legendenhaft, etwa die genauen Gründe, aus denen ein Gestalter ein Zeichen wählte.
  • Sichtbarkeit ist eine persönliche Entscheidung. Ein Symbol zu tragen kann zeigen, dass man zur Community gehört oder verbündet ist. In feindseliger Umgebung kann es aber auch mehr verraten, als jemand möchte. Unser Ratgeber zu digitaler Privatsphäre für LGBTQ+-Menschen erklärt, wie sich kleine Signale summieren, online und offline.

Symbole tragen die Erinnerung an Menschen, die nicht immer frei sprechen konnten. Ihre Geschichten zu kennen ist eine Möglichkeit, diese Erinnerung lebendig zu halten und zu verstehen, warum ein kleines Dreieck oder eine Schleife bis heute so viel bedeuten.

Quellen

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